TECHNISCHE DATEN
V6 90 Grad Biturbo, 12 Ventile, vorn quer
2963 ccm (93 x 72,7)
268 PS bei 5500 U/Min
370 Nm bei 2500 U/Min
5 Gang Handschaltung
Allradantrieb
250 Kmh, limitiert
0 auf 100 Kmh, in 5.9"
Belüftete Scheibenbremsen
1675 Kg
6.25 kg/PS, 90,4 PS/L
FACTS
Vorstellung: Salon de l'Auto, Geneva, März 1992
Import-Zeitraum: 03.1993 - 05.1997
Anzahl Zulassungen: ca. 500 Stück
Produktionsmenge: ca. 200 Stück
Code Name: X54
Aus Prestigegründen glauben die meisten Hersteller, ein Hochleistungsgefährt als
High-Tech-Aushängeschild anbieten zu müssen. Renault wählte dafür die Oberklasse-Limousine
Safrane.
Optischer Kraftmeierei wurde glücklicherweise widerstanden: Nur der offene Kühlergrill
mit Zusatzscheinwerfern, 17-Zoll-Räder und dezentes Spoilergeflügel unterscheiden den
"Donnerbolzen" von seinen zivilen Brüdern. Radstand und Außenabmessungen sind nahezu
unverändert, so gibt es im Innenraum grosszügige Platzverhältnisse. Gelitten unter dem
Allradantrieb hat der Kofferraum, der statt 480 nur noch 390 l fasst, sich aber variabel
vergrößern lässt; zuladen darf der leer nun fast 1,7 t wiegende Kraftprotz 455 kg. Die
Übersicht ist trotz der durch die elektrische Sitzverstellung höheren Fahrerposition
mäßig, der Einstieg leidet vorn unter der sehr schräg stehenden Frontscheibe.
Der bekannte 3-l-Leichtmetall-V6 mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Multipoint-
Einspritzung behielt seinen Zweiventilkopf, wird nun aber über zwei Lader mit gekühlter
Luft und 0,55 bar Druck "zwangsbeatmet". Das Ergebnis sind 263 PS (193 kW) bei 5.500
U/min und 363 Nm Drehmoment bei 2500 Touren. Doch die Praxis beeindruckt weit weniger
als die Papierform: Aufs Gas spricht das Triebwerk, speziell bei niedrigeren Drehzahlen,
eher zäh an, entfaltet seine Leistung mit füblbarer Verzögerung, bietet auch in der
Laufkultur nur Durchschnitt. Das wirkt sich nicht bei Vollgassprint (0-100 km/h = 7,2 sek)
und Spitze (250 kmh/h) aus, aber im Autobahn-AIItag, wo häufig zurückgeschaltet werden muß,
zumal die oberen Gänge (4. = 0,98, 5. = 0,76) recht lang übersetzt sind. Zu überzeugen vermag
der Bi-Turbo auch nicht mit sattem Durchzug, obwohl 97 % des Drehmoment-Maximums schon bei
2300 Touren anliegen sollen. Angesichts der Jahre, die der V6 schon auf dem Buckel hat,
wird Renault um eine moderne Neukonstruktion nicht mehr lange herumkommen.
Dem neuen Safrane-Fahrwerk mit Einzelradaufhängung und Fahrschemel vorn sowie
Verbundlenker-Hinterachse spendierte Renault eine tempoabhängige Niveauregulierung
und permanenten Allradantrieb mit Visco-Mittendifferential und Hinterachssperre. Traktion
und Geradeauslauf sind nicht zu beanstanden, das Eigenlenkverhalten neutral bis leicht
untersteuernd, Lastwechsel-Reaktionen fehlen. Auch die Bremsanlage mit vier mächtigen
Scheiben und Fünf-Sensoren-ABS überzeugt. Doch die gefühllose Servolenkung ist für
ein solches "Fahrerauto" ebenso ein Makel wie das fast schwerfällige Handling.
Naturgemäss darf ein solcher Wagen in Federn und Dämpfern nicht französisch-weich
abgestimmt sein. Doch schon in der Grundeinstellung der geschwindigkeitsabhängig
zunehmenden Dämpferhärte spricht das Auto auf Querrillen und kurze Unebenheiten kaum an.
Manuell läßt sich die zu straffe Dämpfung sogar noch erhöhen, verliert dann den letzten
Rest an Geschmeidigkeit. Dieses Komfort-Minus können die weichen Sitze nicht ausgleichen.
Die Instrumente sind übersichtlich, alle Schalter sinnvoll angeordnet; auch die fein
dosierbare Klimaanlage und das niedrige Geräuschniveau überzeugen. Ein Unding ist
dagegen die zähe und ungenaue Schaltung, die sich anfühlt, als sei sie in Kautschuk gelagert.
Schon in der RXE-Ausstattung verfügt der Bi-Turbo über Klimaautomatik, hochwertige
Radioanlage mit CD-Player, (sprechenden) Bordcomputer, Diebstahl-Warnanlage mit
Wegfahrsperre, elektrische Sitzverstellung vorn, Fensterheber- und Spiegelelektrik.
Dazu gibt's Infrarot-Zentralverriegelung und einen Fahrer-Airbag - für den Beifahrer
ist der rettende Luftsack jedoch nicht einmal als Extra zu haben.